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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Das Maleus Maleficarum als Pflichtlektüre?



Dylan
24.11.07, 18:35
Hallo alle Zusammen!

Ich bin zwar seit einiger Zeit keine praktizierende Hexe mehr, doch mir brennt dennoch eine Frage auf den Lippen. Das Maleus Maleficarum, der Hexenhammer, betreffend: Seit ihr der Meinung, als Hexe sollte man dieses Buch wenigstens gelesen haben? Immerhin ist es ja ein Teil der Geschichte der Hexen, wenn auch nicht der schönste.

Bin gespannt auf eure Antworten.

Grüßle.
Dylan

leilani
25.11.07, 14:27
Als Historiker der sich mit der frühneuzeitlichen Hexenverbrennung und ähnlichem befasst, ja.
Ansonsten finde ich persönlich, nein. Wenn man sich heute als Hexe bezeichnet hat man noch lange nichts mit den armen Opfern von damals zu tun. Es bleiben eben zwei verschiedene Paar Schuhe. Diese Frauen waren keine Hexen, in den meisten Fällen nicht einmal die berühmten kräuterkundigen Hebammen. Sie gehören nicht "Zur Geschichte der Hexen" allerhöchstens zur Geschichte des Begriffs. Dann sich lieber mit der Geschichte der modernen Hexerei befassen und Dinge lesen wie Crowley und Frazer.
Und was noch dazu kommt, was bringt es einem den Hexenhammer zu lesen? Die seltsamen Theorien der damaligen Theologen bringen einen meiner Meinung nach nicht weiter. Wobei ich natürlich nicht weiß, was genau im Hexenhammer steht.

martinvi
25.11.07, 15:21
Der "Hexenhammer" ... tja ... ehrlich gesagt: das Ding ist der Erguß (sic!) eines kranken Mannes.

Geschrieben hat's Kramer 1486, nachdem er 1485 in einem Hexenprozeß in Insbruck "auf die Nase gefallen" war: der Vertreter des Brixener Bischofs Georg Golser gab zu verstehen, daß er die Sitzung verlassen werde, wenn Kramer weiter Fragen zur Sexualität der Angeklagten stelle, und ein Jurist unter den Prozeßbeteiligten kritisierte, daß der Prozeß nicht den -- damals gültigen -- Normen entsprach und forderte die Freilassung der Angeklagten. Was auch geschah. Bischof Georg Golser (und Erzherzog Sigmunds von Tirol) verwiesen den tobenden Kramer des Landes.

Anschließend verzapfte Kramer dann den "Hexenhammer", um sein Vorgehen im Insbrucker Hexenprozeß gegen seine Kritiker zu verteidigen.

Im ersten Teil legt Kramer dar, was er unter einer Hexe versteht.

Erstmal: Hexe = Frau. Denn laut Kramer sind Frauen für schwarze Magie anfälliger als Männer. Wieso? Sie wurden bei der Schöpfung benachteiligt, weil Gott Eva aus Adams Rippe schuf.

Außerdem haben -- laut Kramer -- Frauen Defizite im Glauben. Kramer bastelt dann eine völlig schräge Herleitung des Wortes femina, das er aus lat. fides (Glauben) und minus (weniger) ableitet.

Weiter sind -- laut Kramer -- Frauen sexuell unersättlich. Wieso? "Hairesis maxima est opera maleficarum non credere" (Es ist die größte Häresie, nicht an das Wirken von Hexen zu glauben). Oder andersrum: Die Frage nach den Gründen für irgendeine von Kramers Ansichten ist verboten. Jedenfalls haben die (sexuell unersättlichen) Frauen intimen Kontakt mit den Dämonen (Incubi).

Dieser Teufelspakt zusammen mit der schlechten Veranlagung der Frauen ist die Grundlage für das gefürchtete Phänomen der Hexe.

Die Männer fallen dann bloß dem Zauber der Frauen zum Opfer.

Im zweiten Teil geht's dann um "magische" Praktiken. Alles, was sich Kramer da vorstellen kann, läuft entlang der Linie "Mann schläft mit Frau. Mann wird impotent. Frau ist natürlich Hexe und hat dem Typen seinen Schniedel weggehext. Außerdem ergeht sich Kramer natürlich bei jeder Gelegenheit in seiner Lieblingstheorie, daß nämlich Frauen niedere Lebensformen sind.

Der dritte Teil ist dann nichts weiter als die Prozessordnung für Hexenprozesse.

Irgendwas Nützliches steht in der ganzen Schwarte nicht drin (außer meines Erachtens deutlichen Hinweisen, daß Kramer zumindest an einer kräftigen Neurose litt).

Wer den Quark nun lesen will:

3423307803

Martin "vi"