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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Gott, Satan und Magie



Löwenherz
07.12.03, 21:23
Wahrscheinlich werden mich einige nach diesem Posting für vollends übergeschnappt halten. Vorausgesetzt, jemand wird dieses Posting bis zum Schluss durchlesen, denn ich spüre schon jetzt, dass es verdammt lang wird. Trotzdem muss ich meine Worte irgendwie zu Papier bringen, es muss einfach raus.

Ein für mich bewegtes Jahr neigt sich langsam dem Ende zu. In diesem Jahr erlebte ich die grösste Krise meines Lebens und dann die überraschende Wendung, nach fünfzehn Jahren besiegte ich endlich meine Todessehnsucht. Ich interessierte mich zwar schon seit vielen Jahren für alles Übersinnliche, doch war es mehr ein Teil meiner Allgemeinbildung, ich las vieles, aber eher nur nebenbei. Als ich noch im Winter erkannte, dass es zwischen Himmel und Erde mehr gibt, als das, was wir als Realität verstehen, konnte ich plötzlich neue Kraft schöpfen und es ging Schlag auf Schlag aufwärts mit mir. Bald fand ich einen hervorragenden Job, ich engagierte mich politisch, war ausserdem auch in meinen schulischen Weiterbildungen erfolgreich, obwohl ich so wenig in meine Bücher schaute, dass es eigentlich nicht hätte klappen sollen...

Immer mehr beschäftigte ich mich mit religiösen Themen, Magie und Mystik. Nachdem ich viele Bücher gelesen hatte, und entsprechende Rituale befolgte, kam ich zu der Erkenntnis, dass egal, ob christlicher Glauben, Magie (Wicca) oder Yoga usw., alles unterliegt dem gleichen Urprinzip:
Die Wunder sind tief in unserem Innern / Unterbewusstsein verborgen, der Weg mag zwar verschieden sein, doch alle Glaubensrichtungen verfolgen eigentlich ein und dasselbe Ziel.

Ich war davon überzeugt, wenn wir Gottes Schöpfung sind, so ist in jedem von uns ein göttlicher Funke verborgen, das heisst, wir alle sind göttlich, wir können alles erreichen, wenn wir unsere wahre Kraft entfalten. Ich erkannte, dass das "postive Denken" des Dr. Joseph Murphy der Magie viel näher stand, als die frei erfundenen Zaubersprüche einer möchtegern Hexe, die alles, in einem Buch wohlverpackt, dem gutgläubigen Volk verkaufte. Ich gab mich den Lehren Murphys und Napoleon Hills hin, wobei ich allerdings die Realität nie unter den Füssen verlor.

Es geschahen in meiner Umgebung seltsame Dinge, die zwar einen durchaus natürlichen Ursprung hatten, doch entwickelte sich irgendwie alles zu meinen Gunsten - dabei möchte ich nur mal den Niedergang meines Erzfeindes erwähnen.

Da ich die Lösungen in meinem Selbst vermutete, so fing ich an zu meditieren. Ich suchte nach der Möglichkeit, mich über die Naturgesetze zu erheben. Nach einigen Monaten fand ich dabei eine "Frequenz", die mich absolut glücklich machte, es war das ekstatische Gefühl, von dem die Yogis des fernen Osten berichten. Ich spürte die Gegenwart Gottes, wie nie zuvor in meinem Leben. Mit der Zeit lernte ich, diese göttliche "Frequenz" innert wenigen Sekunden zu erreichen. Bald war mir Gottes Gegenwart ein ständiger Begleiter, es wurde mir klar, nun habe ich den sogenannten "Krshna Zustand" erreicht, wie er im Bhagavad-gità beschrieben ist. Meine Vermutungen fand ich übrigens im Buch "Nightworks" von Frank Lerch durchaus bestätigt.

Am Anfang war ich über diese Entwicklung sehr erfreut, denn ich dachte, dies müsse das Ziel des Lebens sein. Ich verstand plötzlich, was es bedeutete, wenn die Yogis davon reden, dass ein Transzendent nicht mehr von materiellen Einflüssen gestört werden kann. Denn tatsächlich, es war mir ein Glücksgefühl gegenwärtig, da hätte es mich nicht beeinflusst, wenn ich eine Million im Lotto gewonnen hätte, aber auch der Tod eines mir nahen Menschen wäre nur ein weiteres Puzzlestück in Gottes Welt gewesen, was so nur seine Richtigkeit gehabt hätte.

Doch schon bald empfand ich dieses Glück als ein "leeres Glück", da ich nun auch verstand, warum Satanisten die Magie des "rechten Pfades" mit dem "Verlust des Individuums" gleichsetzen. Denn tatsächlich, während diesen meditativen Zuständen fühlte ich nicht mehr als "Ich", sondern nur noch als ein Teil eines Ganzen.

Nun ist mir klar, dass ich einen Weg gehen muss, der mir zwar grosse Möglichkeiten bietet und mich als eigenständiges Wesen anerkennt, doch birgt dieser Weg viele Gefahren, denn im Universum gibt es nichts umsonst.

Da ich hier eher keine Mystiker vermute, so gehe ich davon aus, dass niemand meinen Ausführungen wirklich folgen konnte (oder wollte) - vorausgesetzt, jemand hat überhaupt bis hierhin gelesen - doch zu guter Letzt bleibt nur ein einziges Wort übrig:

Xeper

Freundliche Grüsse
Löwenherz

tse
08.12.03, 01:24
Mhh, wärend meiner Suche hatte ich auch "tranzendente Zustände",
als ich wieder runter kam, war ich total zerissen, und wollte
dieses "High" immer wider erlangen. Es gibt Yogis, die sich in eine
Höhle setzen und der Welt ade sagen. Aber lass mal. Seit ich
die Gegensätze und das Ego akzeptiere, komme ich gut klar.
Das Ego muß ja nicht klein und ägstlich sein, sondern kann mit der
Großen Kraft in Beziehung treten und wachsen.
Gruß tse

Anonymous
08.12.03, 09:00
@ Löwenherz Also, meine Wenigkeit hält Dich nicht für übergeschnappt :D Und ich fand es auch ganz gut nachvollziehbar...


Denn tatsächlich, während diesen meditativen Zuständen fühlte ich nicht mehr als "Ich", sondern nur noch als ein Teil eines Ganzen.

Ahhh, das ist schön :-) Weiss nicht wie es mit Euch ist, aber ich finde, es macht süchtig *gg*

Liebe Grüsse,
KindDesWaldes

P.S. Sorry, bin heute etwas durchgeknallt :roll:

Chris
08.12.03, 13:28
Hallo Loewenherz,

den eigenen Weg zu gehen ist Individuation. Dazu gehoert Liebe und Mut, den viele nicht haben.
Das bedeutet:ausprobieren, Erfahrungen sammeln, leben. Leben heisst lieben und lieben heisst: "gluecklich sein mit..."


Aloha

Chris

Nachtregen
08.12.03, 14:00
@Löwenherz:
Man muß sicher kein Mystiker sein, um deinen Ausführungen folgen zu können, geschweige denn sie zu verstehen. :D

Recht interessante Ausführung, die Du da gibst und ich freue mich für Dich, daß Du deinen Weg scheinbar gefunden hast. Gratuliere!

Dawn
09.12.03, 08:49
@Löwenherz

Genau von diesen Glücksgefühlen und diesem Bewußtseinszustand wird immer wieder in den diversesten Magiebüchern gesprochen.
Da musst du dich ja wirklich so quasi Tag und Nacht mit Meditation beschäftigt haben um das zu erreichen.

Jedenfalls finde ich es toll, dass du viele Zusammenhänge erkannt hast und trotzdem den Bezug zur Realität nicht verloren hast.

Liebe Grüsse

Dawn

Kangiska
09.12.03, 12:33
Hallöchen,

Grins, wenn man deine Erfahrung liest und auch schon M. Roads Bücher kennt, der weiss, dass du nicht übergeschnappt bist, sondern dass du etwas erlebt hast, das es eben gibt.

Ich kann dir nur etwas zu deinem Weg hinzuwünschen, dass es dir mit der Zeit auch so ergeht, dass du den meditativen Zustand nicht mehr benötigst, um dieses Gefühl zu erlangen :)

Und übrigens muss man nicht Mystiker sein, um so etwas zu erleben, sondern einfach nur ein Mensch auf dem Weg zu seiner Wahrheit ;)

Alles Liebe


Kangiska

Löwenherz
09.12.03, 13:25
@All

Danke für die interessanten und netten Antworten. Es ist sehr interessant zu beobachten, dass voneinander völlig unabhängige Menschen an völlig verschiedenen Orten ähnliches erleben.

Doch es tun sich immer mehr Fragen auf...

Alle magischen Pfade beinhalten einen riesigen Vorrat an Wissen und Geheimnissen. Ein Menschenleben genügt kaum, um auch nur einen Weg auszukundschaften, wie soll man sich da entscheiden können?
Wenn ich in der materiellen Welt ein Investment tätige, so kann ich in etwa berechnen, welchen Profit ich erzielen kann und welche Risiken ich dafür eingehen muss. Doch wie soll ich in der Magie einschätzen, was auf mich zukommt, wenn ich auf gewisse Dinge eingehe? Sind wir mal ehrlich, alle Antworten, die wir bislang gefunden haben, sind nichts weiter als Spekulationen.
Ich kann nicht einmal eindeutig sagen, dass "das" worüber wir hier diskutieren überhaupt existiert - vielleicht sind wir nur eine Ansammlung von Spinnern?

Bin auf Eure Meinungen wirklich gespannt.

Grüsse
Löwenherz

Kangiska
09.12.03, 18:25
Alle magischen Pfade beinhalten einen riesigen Vorrat an Wissen und Geheimnissen. Ein Menschenleben genügt kaum, um auch nur einen Weg auszukundschaften, wie soll man sich da entscheiden können?

Hallöchen Löwenherz,

Wohlgemerkt ist es immer nur meine persönliche Meinung, die ich dir geben kann, aber vielleicht trifft sie ja doch einen Punkt...
Wie man sich entscheiden soll? Eine Frage die sich mir gleich danach aufdrängte, war: Muss man sich denn entscheiden. Wenn ich es aus der Theorie betrachte, dass es viele Wege gibt, die alle zur gleichen Wahrheit führen, ist es ziemlich egal, welchen Weg man wählt.

Auf allen Wegen, die ich für mich versuchte, stellte ich recht schnell fest, wo ich denn nun monatelang üben musste, um überhaupt etwas zu erreichen, während auf anderen Pfaden alles gleich von anfang an reibungslos klappte. So bin ich zum Schluss gekommen, dass ich recht schnell merke, was funktioniert und was nicht. Für den Rest vertraue ich auf das Leben, und das hat mich bisher noch nie im Stich gelassen.


Sind wir mal ehrlich, alle Antworten, die wir bislang gefunden haben, sind nichts weiter als Spekulationen.
Ich kann nicht einmal eindeutig sagen, dass "das" worüber wir hier diskutieren überhaupt existiert - vielleicht sind wir nur eine Ansammlung von Spinnern?

Wenn ich rein mit dem Verstand überlege, schreit dieser natürlich, dass wir doch alle nur wahnsinnig sind. Aber ich denke, ich bin nicht alleine damit, wenn ich aus der Seele heraus äussere und sage: In uns wissen wir, dass das, worüber wir reden, auch wirklich existiert.

Und nur weil die Wissenschaft noch keine Beweise dafür hat, reicht mir zum Zweifeln nicht aus. Anfangs dachte auch jeder Mensch zu wissen, dass die Erde eine flache Scheibe ist. Es war nicht die Wissenschaft, die sie plötzlich zu einem Ballon aufblähte ;)


Alles Liebe


Kangiska

Angelika
09.12.03, 19:11
Hallo Löwenherz!
Du bist bemerkenswert schnell an einer Stufe angekommen, für die ich fast 8 Jahre gebraucht habe. Du wirst durch deine Zweifel zu einer Entscheidung getrieben. Welche Risiken du eingehen willst, kannst nur du entscheiden. Sicherheiten gibt es nicht. Ich habe mich damals entschieden den begonnenen Weg weiter zu verfolgen. Ich habe es niemals bereut, denn mit allen schmerzlichen Erkenntnissen kamen auch ....? ? ? Ich finde keine Worte, aber es ist groß, großartig, phantastisch, erfüllend....!!!!

Nachtregen
09.12.03, 19:29
Ich für meinen Teil weiß, daß ich ein Spinner bin ... und bin ehrlich genug zu mir selbst, um mich zu erkennen.

Anonymous
09.12.03, 21:48
Ich für meinen Teil weiß, daß ich ein Spinner bin ... und bin ehrlich genug zu mir selbst, um mich zu erkennen.

@ nachtregen

. . . das macht dich ja soooooooo sympatisch :knuuutsc:

lg
kaylee

Nachtregen
10.12.03, 17:24
@Kaylee:
*rotwerd* ... Danke ... :D

Estrella
10.12.03, 20:43
Hey Löwenherz,

ich zitier jetzt einfach mal: "Mächtig ist die Magie der Zweifler, schwach ist hingegen die Magie der Gläubigen. Wer von vorneherein an die Magie glaubt, spürt keine Notwendigkeit, sich mit ihr in erhellende Zwiesprache zu begeben und verbaut sich so die Möglichkeit, dass sie sich ihm in adäquater Weise offenbart. Magie ruht zwar in einer transzendenten Sphäre, jenseits der greifbaren Wirklichkeit, ist aber andererseits, wie bereits dargelegt, ein sinnlich erfahrbares Phänomen. Dieses Phänomen will nicht geglaubt, sondern eben wegen seiner Natur erfahren werden. Das bedeutet, dass die Magie sich über unsere Sensibilität, Emotionalität und unser Intuitionsvermögen mitteilt und auf diesem Wege auch von unserer Vernunft erkannt und gedeutet werden kann." Zitat Ende

Besser könnt ich das jetzt glaub ich auch nicht ausdrücken :wink:

Ist aus "Weisse Magie im Alltag" von Matthias Mala

Nächtliche Grüße
Estrella

Löwenherz
11.12.03, 19:53
Hi, Estrella

Ein schwieriges Thema. Auf der einen Seite bin ich selbst der Meinung, dass bestimmte Zaubersprüche oder Rituale - wie sie zum Beispiel im Buch "Weisse Magie" von Eric Pier Sperandio angepriesen werden - schon an sich wirken müssen, denn ansonsten wäre das Buch ja nichts Wert und man könnte ja irgendeinen beliebigen Text von sich geben, um Magie bewirken zu können. Auf der anderen Seite glaube ich wiederum, dass für die magische Praxis ein sehr grosser Wille nötig ist - dies wird von verschiedenen Autoren bestätigt - doch frage ich mich dabei, ob es wirklich möglich ist, einen solch grossen Willen aufzubringen, wenn man nicht an die Sache glaubt. Oder kann man wirklich ohne einen letzten Zweifel an etwas glauben, dass man praktisch noch nicht erfahren hat?

Viele Fragen, keine Antworten...

Schönen Gruss
Löwenherz

Angelika
12.12.03, 16:40
Hallo Löwenherz!
Ich wurde anfangs auch durch meine Zweifel behindert. Dann kam ich in eine Situation, in der ich etwas so sehr wollte, daß ich bereit war, alle mir zur Verfügung stehende Mittel anzuwenden, und ich war erfolgreich. Das Resultat war so verblüffend, daß meine Zweifel nur noch so dahinschmolzen. Seit ich nicht mehr glaube, sonder weiß, daß Magie wirkt, klappt das auch mit den Ritualen sehr gut. Natürlich bestärkt mich jeder Erfolg immer mehr in meinem Wissen um die Magie.Mit Magie ohne formellem Ritual und stimulierenden Hilfsmitteln (Werkzeuge, Farben, Düfte., etc.) bin ich jedoch noch nicht so erfolgreich. Da muß ich wohl noch viel üben! :(