Fee
22.07.05, 23:17
Das Handlesen oder die Chiromantie
Es gibt wohl kaum einen Menschen, der nicht weiß, wo in seiner Hand die Lebenslinie verläuft. Und wie viele Prominente ihr Handeln davon abhängig machen, was die in ihre Hand eingegrabenen Linien über ihre Zukunft aussagen, davon berichten die Zeitungen oft genug.
Die Handlesekunst wird heutzutage mindestens so ernst genommen wie vor beinahe tausend Jahren, als die Griechen und Römer sich von ihren Wahrsagern das Schicksal aus der Hand lesen ließen.
Die älteste, allerdings nicht im Original erhaltene Schrift, die die Chiromantie systematisch behandelt, soll von dem griechischen Schriftsteller Artemidorus von Daldis stammen, der in der Zeit zwischen 100 und 200 n. Chr. lebte. Und daß es auch bei den Römern hochangesehene Leute gab, die aus den Linien der Hand weissagten, kann man in den Berichten von Cicero und Juvenal nachlesen.
Als die Chiromantie im 15. Jahrhundert endlich auch den nördlichen Teil Europas erreichte, verdammte man sie bald als unchristliche Zauberei. Schon 1456 spottete Johann Hartlieb in seinem berühmten puch aller verpotten kunst, ungelaubens und der zauberey darüber, daß es in den Händen stehen sollte, "wieviel einer Weiber und Kinder, Glück und Unglück hat und welchen Tod er sterben soll". Er schreibt kategorisch, das sei "alles ein ungelaub, da die puncten und lyni, die chomen, so sich die hawt rümpfft oder sich sonst schürpfft und nicht, dass sy bös oder güts bedeuten".
Trotz dieser Verteufelung wurde die Chiromantie im späten Mittelalter in Europa außerordentlich populär. Viele regelrecht akademisch aufgebaute Leitfäden erschienen, und noch Anfang des 18. Jahrhunderts wurden an deutschen Universitäten chiromantische Kollegien abgehalten.
Während der Epoche der Aufklärung sank mit dem Ansehen der gesamten Wahrsagekunst natürlich auch das der Chiromantie. Wie wenig man noch am Anfang des 19. Jahrhunderts von diesem Zukunftsorakel hielt, beweisen unter anderem auch die Chiromant-Automaten, die auf allen Jahrmärkten zu finden waren. Bewegliche Stifte tasteten die Hand ab; dann wurden vervielfältigte Zettel mit einer sicherlich höchst aufschlußreichen Voraussage über die Zukunft ausgeworfen.
Ursprünglich hatte die Chiromantie eine ganz selbständige Basis. Erst im Verlauf ihrer Verfeinerung wurde sie dann - wie fast alle anderen Wahrsagekünste auch - mit der Astrologie verquickt, da man der Meinung war, daß nicht nur der ganze Mensch und sein Schicksal, sondern auch seine einzelnen Körperteile dem Einfluß des Sternenhimmels unterlägen.
Quelle: "Das grosse Orakelbuch" von Eve Marie Helm.
3426038005
Gruß
Fee
Es gibt wohl kaum einen Menschen, der nicht weiß, wo in seiner Hand die Lebenslinie verläuft. Und wie viele Prominente ihr Handeln davon abhängig machen, was die in ihre Hand eingegrabenen Linien über ihre Zukunft aussagen, davon berichten die Zeitungen oft genug.
Die Handlesekunst wird heutzutage mindestens so ernst genommen wie vor beinahe tausend Jahren, als die Griechen und Römer sich von ihren Wahrsagern das Schicksal aus der Hand lesen ließen.
Die älteste, allerdings nicht im Original erhaltene Schrift, die die Chiromantie systematisch behandelt, soll von dem griechischen Schriftsteller Artemidorus von Daldis stammen, der in der Zeit zwischen 100 und 200 n. Chr. lebte. Und daß es auch bei den Römern hochangesehene Leute gab, die aus den Linien der Hand weissagten, kann man in den Berichten von Cicero und Juvenal nachlesen.
Als die Chiromantie im 15. Jahrhundert endlich auch den nördlichen Teil Europas erreichte, verdammte man sie bald als unchristliche Zauberei. Schon 1456 spottete Johann Hartlieb in seinem berühmten puch aller verpotten kunst, ungelaubens und der zauberey darüber, daß es in den Händen stehen sollte, "wieviel einer Weiber und Kinder, Glück und Unglück hat und welchen Tod er sterben soll". Er schreibt kategorisch, das sei "alles ein ungelaub, da die puncten und lyni, die chomen, so sich die hawt rümpfft oder sich sonst schürpfft und nicht, dass sy bös oder güts bedeuten".
Trotz dieser Verteufelung wurde die Chiromantie im späten Mittelalter in Europa außerordentlich populär. Viele regelrecht akademisch aufgebaute Leitfäden erschienen, und noch Anfang des 18. Jahrhunderts wurden an deutschen Universitäten chiromantische Kollegien abgehalten.
Während der Epoche der Aufklärung sank mit dem Ansehen der gesamten Wahrsagekunst natürlich auch das der Chiromantie. Wie wenig man noch am Anfang des 19. Jahrhunderts von diesem Zukunftsorakel hielt, beweisen unter anderem auch die Chiromant-Automaten, die auf allen Jahrmärkten zu finden waren. Bewegliche Stifte tasteten die Hand ab; dann wurden vervielfältigte Zettel mit einer sicherlich höchst aufschlußreichen Voraussage über die Zukunft ausgeworfen.
Ursprünglich hatte die Chiromantie eine ganz selbständige Basis. Erst im Verlauf ihrer Verfeinerung wurde sie dann - wie fast alle anderen Wahrsagekünste auch - mit der Astrologie verquickt, da man der Meinung war, daß nicht nur der ganze Mensch und sein Schicksal, sondern auch seine einzelnen Körperteile dem Einfluß des Sternenhimmels unterlägen.
Quelle: "Das grosse Orakelbuch" von Eve Marie Helm.
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